In Gedenken an River
  gestorben am 06. Februar 2010

 

 

Tagebuch eines Streuners

 

1. Woche
Vor einer Woche bin ich geboren worden, welches Glück auf dieser Welt angekommen zu sein!

1. Monat
Meine Mama sorgt sehr gut für mich, sie ist eine vorbildliche Mutter.

2. Monat
Heute trennten sie mich von meiner Mama. Sie war sehr unruhig und mit ihren Augen sagte sie mir auf Wiedersehen, gleichzeitig hoffend, dass meine neue menschliche Familie sich so um mich sorgt, wie sie es machte.

4. Monat
Ich bin schnell gewachsen, alle widmen mir ihre Aufmerksamkeit. Es gibt mehrere Kinder im Haus, die wie Geschwister für mich sind. Wir sind alle eine unruhige Bande. Sie ziehen mich an der Leine und ich zwicke sie spielend.

5. Monat
Heute nörgelten sie an mir herum. Mein Besitzer wurde böse, weil ich „Pipi“ im Haus gemacht habe, aber sie hatten mir ja nie gezeigt, wo ich es machen sollte. Ich schlafe auch in der Waschküche und konnte einfach es nicht mehr zurück halten!

6. Monat
Ich bin ein froher Hund. Ich habe die Wärme meiner Familie, ich fühle mich so sicher und beschützt. Ich glaube, dass meine menschliche Familie mich liebt und sie verwöhnt mich viel zu sehr. Wenn sie essen, geben sie mir immer etwas ab. Der Hof ist für mich alleine und ich mache mir einen Spaß daraus, wie meine Vorfahren, die Wölfe, mein übrig gebliebenes Futter im Garten zu vergraben. Sie bilden mich nicht aus, also muss doch alles richtig sein, was ich anstelle.

12. Monat
Heute bin ich 1 Jahr alt. Ich bin ein reifer Hund. Meine Meister sagen, dass ich mehr gewachsen bin als sie gedacht haben. Sie müssen so stolz auf mich sein.

13. Monat
Wie schlecht ich mich heute fühle. „Mein Bruder“ nahm mir den Ball weg, obwohl ich ihnen doch nie ihre Spielwaren wegnehme! Deshalb nahm ich ihm meinen Ball aus der Hand. Aber meine Kiefer sind sehr stark geworden und ich verletzte ihn unabsichtlich. Nach dem Schrecken ketteten sie mich draußen fest an, ich konnte mich nicht einmal bis zum Sonnenstrahl bewegen. Sie sagen, dass sie mich beobachten werden und dass ich undankbar bin. Ich verstehe gar nicht, was passiert ist.

15. Monat
Es ist immer noch das Gleiche:
Ich lebe jetzt nur noch auf dem flachen Dach. Ich fühle mich sehr alleine, meine Familie liebt mich nicht mehr. Sie vergessen manchmal, dass ich hungrig und durstig bin. Wenn es regnet habe ich kein Dach, das mich vor dem Regen schützt und wenn die Mittagssonne knallhart auf das Dach scheint, habe ich keine schattige Ecke.

16. Monat
Heute holten sie mich vom Dach herunter. Ich war sicher meine Familie vergab mir und ich freute mich so sehr, dass ich sie ansprang vor Vergnügen. Ich konnte meinen Schwanz vor Freude gar nicht still halten. Außerdem werden sie mich mit auf einen Spaziergang im Auto mit nehmen! Wir fuhren in Richtung Autobahn und plötzlich hielten sie an. Sie öffneten die Türen und ich sprang fröhlich heraus, im Glauben, dass wir unseren Tag gemeinsam im Freien verbringen würden. Ich verstehe nicht, warum sie ohne auszusteigen die Autotür wieder schlossen und wegfuhren. „HÖRT, WARTET…..“ oh, sie haben mich vergessen! Ich lief hinter dem Auto her mit all meinen Kräften. Meine Qual wuchs, als ich erkannte, dass sie verschwanden und sie hielten nicht an. Mir wurde klar:
SIE HATTEN MICH AUSGESETZT!!!

17. Monat
Ich habe vergeblich versucht, den Weg nach Hause zu finden. Ich setze mich hin, ich bin verloren. Auf meinem Weg gibt es Leute mit guten Herzen, die mir meine Traurigkeit ansehen und mir etwas zu fressen geben. Ich danke ihnen von ganzem Herzen und wollte, dass Sie mich adoptierten und versprach ihnen auch für die Ewigkeit treu zu bleiben. Aber sie sagten nur: „ARMER HUND“, er muss verloren gegangen sein und gingen weiter.

18. Monat
Neulich ging ich an einer Schule vorbei und ich sah viele Kinder, die mich an meine „Geschwister“ erinnerten. Als ich mich näherte, lachte eine Gruppe von ihnen und sie warfen viele Steine nach mir und schauten, wer besser gezielt und mich getroffen hatte. Einer jener Steine verletzte eins meiner Augen und von da an sah ich nichts mehr mit ihm.

19. Monat
Es ist nicht zu glauben, als ich noch ein schöner Hund war, fühlten alle mehr Mitleid für mich. Jetzt aber habe ich schon sehr viel Gewicht verloren, bin richtig dünn geworden und verlor ein Auge und die Menschen verjagen mich lieber mit Besenschlägen, wenn ich versuche etwas Schatten irgendwo für meinen müden und schwachen Körper zu finden.

20. Monat
Ich kann mich kaum mehr bewegen: Heute, als ich versuchte, eine Strasse mit starkem Autoverkehr zu überqueren, wurde ich angefahren. Ein Autolenker lenkte sein Auto so, dass er mich mit Absicht traf. Ich werde den zufriedenen Gesichtsausdruck des Fahrers nie vergessen! Hätte Gott doch gewollt, dass er mich getötet hätte, aber ich renkte mir nur meine Hüfte aus. Der Schmerz ist nicht auszuhalten, meine Hinterpfoten gehorchen mir nicht und mit großer Schwierigkeit kroch ich zu irgendeinem Grashang am Straßenrand.

21. Monat
Ich liege seit 10 Tagen in der Sonne, dem Regen, der Kälte, ohne etwas zu fressen oder zu trinken. Ich kann mich nicht bewegen. Der Schmerz ist unerträglich. Ich fühle mich sehr schlecht, ich liege an einer feuchten Stelle und meine Haare fallen aus. Einige Leute gingen an mir vorbei, aber entweder sahen sie mich nicht oder aber andere sagten unter sich: „Gehe nicht zu nahe an ihn heran“.
Ich bin fast bewusstlos. Auf einmal steht eine fremde Person neben mir. Ihre liebevolle Stimme brachte mich zum reagieren. ARMER HUND, GUCK WIE SIE DICH AUSGESETZT HABEN, sagte sie…. Neben ihr stand ein Mann im weißem Kittel, er begann mich abzutasten und sagte zu der freundlichen Frau: „ES TUT MIR LEID“, aber ich kann diesem Hund nicht mehr helfen, es ist besser, wenn ich ihn von seinem Leid erlöse. Unter Tränen stimmte sie mit ihm überein. Ich schaffte es noch einmal meinen Schwanz zu bewegen und schaute sie mit unendlich dankbaren Augen an. Ich fühlte kurz den erlösenden Schmerz der Injektion
und fiel in ewigen Schlaf, mich dabei aber fragend: WARUM ICH GEBOREN WURDE, WENN MICH DOCH NIEMAND LIEBEN WOLLTE.

Nach einer wahren Begebenheit.
 

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